RC Luzern v Ticino Rugby

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Details

Date Time League Season
Saturday, May 12, 2018 15:00 National League C 2017/18

Match report

Als an diesem sonnigen Samstagnachmittag der Rugby Club Luzern auf seinen Gegener, dem Rugby Club Ticino aus Bellinzona traf, waren die Hausherren ihren treuen Fans eine Wiedergutmachung schuldig. Diese pilgerten in den letzten Wochen in gewohnter Zahl regelmässig zur Allmend um gutes Rugby zu sehen, doch wurden sie ein ums andere Mal enttäuscht. Die letzten vier Heimspiele gingen verloren wobei besonders im letzten Heimspiel dem Publikum sehr schlechtes und leidenschaftsloses Rugby zugemutet wurde.
In der zurückliegenden Trainingswoche wurden vom Trainerteam daher die Schlüsse gezogen. Man arbeitete vor allem am einem sauberen Passpiel um die Flut an Vorwürfen (knock-on) einzudämmen. Bezüglich der gezeigten Leidenschaftsloigkeit, war es nicht zuletzt der Kapitän, der die Mannschaft vor dem Spiel bei der Ehre packte und eine erhebliche Verbesserung der Einstellung von jedem einforderte.
Das Spiel startete mit einer halben Stunde Verzögerung, da die Gäste südlich der gefürchteten Gotthardröhre im Ferienreiseverkehr stecken geblieben sind.
Als aber endlich los ging, merkte man den Luzernern an, dass sie die richtige Antwort heute auf dem Platz geben wollten. Direkt nach eigenem Ankick sassen die Tacklings, der Ball konnte gewonnen werden und die erste Angriffsphase über die Reihespieler führte direkt ins Malfeld, Lukas Merz konnte den Ball erfolgreich an der linken Aussenseite ablegen. Genauso rasant ging es weiter, die Gäste griffen ihren Ankick ebenfalls sofort an, und brachten die heimische Defensive in erhebliche Schwierigkeiten. Die Tessiner konnten sich in der Luzerner Spielhälfte festsetzen, begnügten sich aber nach einem Regelverstoss mit einem Strafkick auf die Torstangen und verkürzten so auf 5 – 3. Nun war es wieder an der Heimmannschaft zurückzuschlagen. Es dauerte ein wenig, bis die passende Antwort kam und so recht wollte das Passspiel noch nicht funktionieren. Immer wieder kam es zum angeordneten Gedränge (scrum), da der Ball im Angriff nicht schnell oder genau genug gepasst wurde. Es waren genau diese Konzentrationsschwächen, die die Ungenauigkeiten hervorriefen, die man eigentlich abstellen wollte.
Positiv war bisher anzumerken, dass die Standardsituationen wieder von der Heimmannschaft dominiert wurden. Bei den eigenen Scrums konnte der Ball behauptet werden und auf das gegnerische Gedränge konnte mindestens so viel Druck gemacht werden, dass nur minimaler Raumgewinn erzielt wurde. Einige Male gelang es dem Luzerner Sturm den Ball direkt aus dem gegnerischen Scrum zu erobern. Diese Überlegenheit münzte sich noch vor der ersten Wasserpause zur Mitte der ersten Halbzeit in Punkte um. Aus einem eigenen Scrum heraus wurde der Ball schnell in die Reihe gespielt und ein paar erfolgreiche Passstafetten später legte Altmeister Daniel Furrer zu seinem ersten Versuch des Tages ab. Lukas Merz, ein Newcomer beim kicken des ruhenden Ei’s, verwandelte die anstehende Erhöhung erfolgreich. Es schien als finge das Heimteam endlich an, die Spielidee, die das Trainerteam seit Wochen predigte, an umzusetzen.
Es gab jedoch auch dieses mal einen Rückschlag zu verkraften. Als das Spiel nach einer kurzen Wasserpause fortgesetzt wurde, übten die Südschweizer erneut grossen Druck aus, und die Luzerner Defensive war einmal mehr nicht fokussiert und ungeordnet. Die Stürmer der Gäste durchbrachen ein ums andere mal die Defensive und konnten nur mit Mühe am direkten Versuch gehindert werden. Der Schiedsrichter sah allerdings einen Regelverstoss in der Verteidigung auf Höhe der 5-Meter-Linie und entschied auf Strafversuch. Damit führten die Hausherren zwar weiterhin mit 12 – 10, die Chancenauswertung der Gäste stand aber bei 100%. Das konnte keinem der Beteiligten auf Seite der Luzerner gefallen.
Die Dominanz des Rugby Club Luzern bei Einwürfen (line-out), Scrums und eigenem Ballbesitz generell, sollte sich aber mit dem weiteren Spielverlauf durchsetzen. Bis zur Pause erhöhte der Neuzugang aus Spanien, Fernando Arenas Virgos, mit seinem zweiten Versuch für den RCL auf 17 – 12. Lukas Merz erhöhte vom Tee auf 19 – 12.
In der Halbzeitansprache erinnerte der Trainer noch einmal an die schlechten Defensivphasen und drängte auf Besserung. Auch mit dem Ballbesitz in den eigenen Reihen war nicht alles rosig. Kapitän Yannic Graber stellte heraus, dass das ovale Spielgerät noch zu oft auf riskante Weise gepasst wird und zu Boden fällt. Er bat nochmals eindringlich darum, den Fokus auf Ballbesitzbehauptung zu legen.
Manch einer der Zuschauer, die die letzten Auftritte auf der Allmend verfolgt hatten, traute dann in dieser zweiten Halbzeit wahrscheinlich den eigenen Augen nicht. Das Heimteam zeigte endlich wozu es fähig sein kann. Plötzlich funktionierte vieles von dem, was trainiert wurde. Spielzüge wurden ohne Knock-on bis zum gegnerischen Tackle durchgespielt, die folgende Phase wurde aufgebaut und plötzlich fielen die Versuche im 5-Minuten-Rhytmus. Sicherlich war es auch der steigenden Erschöpfung der Gäste zuzuschreiben, aber das Heimteam spielte teilweise herausragendes, flüssiges Rugby. Besonders die viel gescholtenen Reihespieler zogen ihre Finten und Pässe durch. Die Sturmreihe agierte souverän im Scrum und steigerte sich auch beim Stehlen der gegnerischen line-outs.
Acht Versuche konnten auf unterschiedliche Art und Weise erzielt werden. Aus Sicht eines Stürmers war das Paket (maul), das Mitte der zweiten Halbzeit direkt ins Malfeld geschoben wurde natürlich das Highlight.
Besonders hervorzuheben sind allerdings die zwei Akteure, die heute durch einen Hattrick brillierten. Der bereits erwähnte Daniel Furrer, liess endgültig alle Zweifler verstummen, die nach diversen Rückschlägen in der letzten Saison, an einem Comeback im fortgeschrittenen Alter zweifelten. Er krönte seine Leistung mit zwei weiteren Versuchen in der zweiten Spielhälfte. Weiterhin ging Kapitän Yannic Graber bei der Frustbewältigung voran und zeigte unter anderem durch drei Versuche im zweiten Spielabschnitt seine Klasse.
Eine Premiere gab es ebenfalls zu Bejubeln, Neu-Luzerner Tobias Rösli konnte erstmals für den Rugby Club Luzern Punkte erzielen. Zwei weitere Versuche wurden durch die Routiniers Martin Nienhus und David Reber beigetragen.
Am Ende stand somit ein versöhnlicher 65 – 10 Heimerfolg des Rugby Clubs aus der Innerschweiz beim letzten Spiel auf heimischen Boden in der Saison 2017/18. Das letzte Spiel der regulären Saison und damit die Generalprobe für das Halbfinall-Playoff findet in 14 Tagen im Schweizersbild in Schaffhausen statt.
Am ersten Wochenende im Juni tritt die Mannschaft dann in St. Gallen zum Spiel um die Teilnahme am Liga C – Finale an.

Ehrungen:
Spieler des Spiels: Chrsitian Schmid (Herausragende Leistung)
Unglücksrabe: Remo Hiltbrunner
Erster Versuch: Tobias Rösli

Aufstellung RCL:
Stürmer: 1 Kai Wasternack; 2 Thomas Gisler; 3 Marco Felder; 4 Roman Wespi; 5 Christian Schmid; 6 Tobias Rösli (1 Vers. / 5 Pkt.); 7 Remo Hiltbrunner; 8 Yannic Graber (Kapitän) (3 Vers. / 15 Pkt.)

Reihe: 9 Fernando Arenas Virgos (1 Vers. / 5 Pkt.); 10 David Reber (1 Vers. / 1 Erh. / 7 Pkt.); 11 Lukas Scheuzger; 12 Marcel Birrer; 13 Daniel Furrer (3 Vers. / 15 Pkt.); 14 Lukas Merz (2 Erh. / 4 Pkt.); 15 Marco Petermann (1 Vers. / 5 Pkt.)

Bank: 16 Gian Kamlesh; 17 René Brügger; 19 Martin Niehuis; 20 Sven Graber; 21 Stefan Kurt; 21 Dominik Odermatt

Coach: Guido Farina

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